Mittwoch, 13. September 2006

Child's Rainbow Scarf.

rainbowscarf

Dieser Schal ist der Beweis dafür, dass ich langsam stricke. Die Anleitung stammt aus dem Buch "Last-Minute Knitted Gifts", in dem die Projekte nach der Zeitspanne gegliedert sind, in welcher sie fertiggestellt werden können. Dieser Schal, aus zwei Knäueln Noro Kureyon in abwechselnden Streifen gestrickt, steht in der Rubrik "Zwei bis vier Stunden". Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber ich habe mindestens sechs Stunden gebraucht. Wahrscheinlich waren es sogar mehr, und ich habe es wieder verdrängt ... Der Schal war schon seit Anfang des Jahres fertig, bis auf zwei zu vernähende Fäden, aber er gefiel mir nicht und landete deshalb in einer meiner Wollkisten. Am Wochenende fiel er mir in die Hände, und die tiefstehende Septembersonne ließ seine Farben so hübsch funkeln, dass ich mich entschloss, ihm noch eine Chance zu geben. Die Fäden wurden also vernäht, der Schal gewaschen, und da Kureyon für mein Empfinden unsagbar kratzig ist, auch mit etwas Lanolin behandelt. Er ist nun weicher, aber immer noch nicht weich genug für meinen Hals oder den eines Kindes, wie der Name ja vorschlägt. Ich werde mir also ein Opfer suchen, um den Schal zu verschenken.

Sechs auf einen Streich.

Die verstrickte Dienstagsfrage - 37/2006
Wenn Ihr Socken strickt, tragt Ihr die dann nur zuhause, oder auch unterwegs? In welchen Schuhen, bzw. passen sie in Schuhe Eurer "normalen" Grösse/Weite?


Die einzige Gelegenheit, zu der ich Socken außerhalb der Wohnung anziehe, ist im Winter in Stiefeln. Da halten sie die Füße schön warm und niemand sieht sie. Ansonsten trage ich fast ausschließlich Pumps, und dazu würden allenfalls Kniestrümpfe passen, was aber wiederum nicht unbedingt mein Look ist. An anderen gefällt es mir aber!

Die verstrickte Dienstagsfrage - 36/2006
Wie viele Strickbücher und Strickzeitschriften braucht man? Ein paar wenige und wenn man die abgearbeitet hat, dann kann man sich was neues kaufen? Oder massenhaft, immer schön zum Schmökern – auch wenn Ihr daraus gar nichts nacharbeitet? Oder gehts auch ohne, denn das Internet und die Maillisten bietet genug Strickfutter?


Wallis Windsor wird die Aussage zugeschrieben, man könne niemals zu dünn sein und niemals zu viel Geld besitzen. Ich füge gern hinzu, dass man niemals genug Strickbücher haben kann (obwohl ich den ersten Teil ihres Statements anzweifel). Natürlich würde ich nicht wahllos kaufen, und meine Sammlung ist auch (noch) nicht ausufernd, aber neben zwei, drei Standardwerken zum Nachschlagen habe ich gern eine hübsche Auswahl zum Blättern und Sich-Inspirieren-Lassen. Auch in Heften oder Büchern, aus denen ich nichts nachstricken würde, gefallen mir oft Details, die sich leicht übertragen lassen.

Die verstrickte Dienstagsfrage - 35/2006
Mich würde jetzt mal interessieren, warum Strickblogger diese Frage jede Woche beantorten? Ich habe mir selbst schon Gedanken dazu gemacht, warum ich das eigentlich tue. Will ich nur einfach "dazugehören" oder verbirgt sich doch mehr dahinter?


Angefangen habe ich mit dem Beantworten der Frage, als ich mich für die Wollfee-Aktion angemeldet habe und meine Wollfee mehr über mich erfahren sollte. Inzwischen ist es zur Gewohnheit geworden, und bietet an weniger ereignisreichen Tagen auch etwas Blogfutter :-)

Die verstrickte Dienstagsfrage - 34/2006
„Du solltest dir mal ein anderes Opfer für deine Strickerei suchen. – Mein Kleiderschrank quillt schon über!"„Können wir nicht einfach etwas Schönes zum Anziehen kaufen?"„Wenn du schon stricken musst, dann bitte nur für dich selbst!"„Die anderen tragen auch nichts Selbstgestricktes."Kommt euch das bekannt vor? Wie reagiert ihr?


Hmm. Ich habe gerade einen großen Teil der Antworten der anderen Blogger gelesen und dabei nicht einen gefunden, dem diese Sätze bekannt vorkommen. Ganz genauso habe ich sie selbst auch nicht gehört, aber aus dieser Richtung kamen schon diverse Kommentare. Stricken hat in meinem Umfeld leider keinen guten Ruf, und ich weiß genau, dass ich mit meinem Selbstgestricktem außer meiner Oma und meinem Sohn eigentlich niemanden erfreuen kann.

Die verstrickte Dienstagsfrage - 33/2006
Strickt Ihr nur deutsche Anleitungen oder auch anderssprachige?
Vielleicht sogar etwas, das weder deutsch noch englisch geschrieben ist? Wie arbeitet Ihr die Anleitungen ab - erst übersetzen und dann stricken? Oder in der Originalsprache? Oder wartet Ihr bis eine Mailliste die Anleitung auf Deutsch hat?


Ich stricke meist nach englischsprachigen Anleitungen, die deutschen erscheinen mir immer komplizierter. Andere Sprachen spreche ich leider nicht in ausreichendem Maße.

Die verstrickte Dienstagsfrage - 32/2006:
Wie und wo bewahrst du deine Wollvorräte auf? In Kisten, Boxen, Säcken? Wie sind sie sortiert? Nach Farben oder Qualitäten? Führst du eine Art Archiv oder ein Buch, damit du alles wieder findest und keinen deiner Schätze vergisst?


Die meisten Vorräte lagern in Plastikkisten, sortiert nach Farben. Ich bin mir nicht sicher, ob das Sinn macht, aber eine andere Ordnung fiel mir bisher nicht ein. Wo ich was verpackt habe, ist in einem kleinen Notizheft verzeichnet, aber das pflege ich leider nicht besonders gewissenhaft.

Montag, 11. September 2006

Grünes Wochenende.

federweisser

Sonntage sind immer wunderbar dafür geeignet, Entschlüsse zu fassen. Mir sind gestern, bei einem Blick in eine kleine Kiste mit Wolle, die in meinem Schlafzimmer steht, drei Knäuel Rowan Soft Tweed ins Auge gestochen. Nicht, dass ich sie zum ersten Mal dort gesehen habe, sondern - ganz plötzlich - schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass doch auch in meiner Kammer Soft Tweed liegt. Und ich meinte mich zu erinnern, dass ich nur zwei Knäuel nachbestellt habe, als mir der Vorrat für meine Campbell-Jacke ausging. Ein kurzer Blick in die Kammer offenbarte, dass ich ganz offensichtlich unter ernst zu nehmenden Gedächtnislücken leide. Denn dort lagen tatsächlich die beiden Knäuel. Insgesamt besitze ich nun also fünf, und die Rowan Anleitungen sind rehabilitiert, denn die angegebene Menge war doch ausreichend. Wirklich ärgerlich ist es zwar nicht, ich hatte nämlich ohnehin vor, noch mehr von dem Tweed zu kaufen, der seinem Namen alle Ehre macht und so soft ist, dass er einen schönen warmen Schal für Leo ergeben würde. Dennoch hat mich dieser kleine Zwischenfall in dem Vorsatz bestärkt, in diesem Jahr keine Wolle mehr zu kaufen.

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Ungefähr fünf Stunden später war ich im Besitz dieses schönen Stranges fein versponnener Merino. Wir waren gestern Nachmittag in der Spandauer Zitadelle zu Mittelalterfest und Drachenkampf, und da das Programmheft eine "Wollspinnerey" versprach, habe ich mich auch gleich auf die Suche danach gemacht. Tatsächlich gab es einen winzigen Stand, an dem eine Frau Selbstgesponnenes verkaufte, eine ganz kleine Auswahl nur und das wirklich recht mittelalterlich, also ungefärbt, ungewaschen und relativ grob. Dazwischen funkelte mich aber ein Strang in warmen Oliv an, und der war so unfassbar weich, dass ich ihn unbedingt haben musste. Was mir vorschwebt, ist ein Schal daraus in dem Federmuster, dass im Rowan Classic Summer für die Stola verwendet wird. Ich hoffe, die Menge ist ausreichend, es sind 157 Gramm, aber der Schal muss weder besonders lang noch breit sein.

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Als ich mit meinem neuen Schatz zu Hause ankam, fiel mir auf, dass auch die weiteren Dinge, die mich an diesem Wochenende erfreut hatten, grün waren: die Reineclauden, die es im Biomarkt gab, der Federweißer, auf den ich mich im Spätsommer immer so freue, die kleinen Tafeln belgischer Schokolade mit Anis und Cardamon. Und dann noch diese spezielle Süßspeise auf Wunsch eines jungen Mannes:

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In einem kleinen Petterson&Findus Heft, das wir im Urlaub gekauft hatten, war das Rezept für einen Teich mit Fröschen angegeben. Wobei "Rezept" fast übertrieben klingt, denn es ist nichts anderes als normaler Wackelpudding mit Fruchtgummi-Fröschen. Leo ist total wild darauf! Man muss übrigens nicht unbedingt Waldmeister-Geschmack verwenden, ich habe die ersten Male Zitrone genommen und mit Lebensmittelfarbe grün eingefärbt, das sah sogar noch etwas mehr nach Teichgrün aus :-)

Freitag, 8. September 2006

Original und Fälschung.

gooseberries

Es gibt etwas, das mir an den Garnen von Rowan besonders gefällt: nämlich, dass alle Farben eigene Namen tragen und nicht nur durch Nummern gekennzeichnet sind. Wenn ich mir Farbkarten ansehe, lese ich immer gleich zu Beginn, wie die einzelnen Farben heißen, und freue mich um so mehr, wenn die Lieblingsfarben auch durch besonders schöne Namen geadelt werden. Was mich fast immer anspricht, sind direkte Vergleiche mit Essbarem: Blood Orange, Mojito, Framboise, Apple. Oder Gooseberry. Ich liebe Stachelbeeren! Nicht nur ihren Geschmack, auch ihr frisches, leuchtendes Grün. Kein Wunder also, dass das Handknit Cotton in der Farbe auch schnell in meinen Wollvorrat gewandert ist.

fennel

Manche Farbgebungen finde ich dagegen eher irreführend. Das oben im Bild ist 4ply Cotton in Fennel. Vielleicht sieht der Fenchel in England anders aus, der hier erhältliche jedenfalls hat mit der Farbe des Garns nicht viel gemeinsam. Mich erinnert das Grün eher an jungen Salbei oder Pfefferminzbonbons. Abgehalten davon, das Garn zu kaufen, hat mich das aber auch nicht :-)

cookingapple

Ein positiver Nebeneffekt der Garnnamen ist, dass ich auch immer wieder neue Begriffe lerne. Zum Beispiel wusste ich nicht, was ein Cooking Apple ist. Ein Kochapfel?! Wikipedia sei Dank konnte ich nachlesen, dass es sich dabei um speziell zum Kochen und Backen gezüchtete Sorten handelt, die oft eher sauer sind und festes Fruchtfleisch haben, das nicht so leicht zerfällt - perfekt für Apple Sauce und Apple Pie - hmmm! Das schöne matte Grün erinnert mich an die Klaräpfel im Garten meiner Oma, die bald reif sein müssten. Für das Foto herhalten mussten aber die (von Natur aus) pastellgrünen Eier, die es manchmal im Bioladen gibt.

peaches

Und zum Schluss noch ein Bild, das mit Wolle nichts zu tun hat: von meiner Oma habe ich am Mittwoch Pfirsische bekommen, frisch gepflückt aus ihrem Garten. Sie sind im Vergleich zum großen Bruder vom Obsthändler an der Ecke geradezu winzig klein, manche nicht größer als eine Pflaume. Auch die leuchtende Farbe fehlt ihnen, die Schale ist pelziger und ihr Fruchtfleisch manchmal leicht mehlig. Aber ihr Geschmack ist phantastisch: etwas weniger süß und sehr intensiv. Und sie duften herrlich nach Kindheit und Herbst.

Dienstag, 5. September 2006

Samt.

chenille

Ich habe eine große Schwäche für Samt. Schon als Kind trug ich am allerliebsten Samtpullover, die meine Mutter mir auch in diversen Lieblingsfarben gekauft hatte. Modische Gründe hindern mich heute daran, immer noch solche Pullover zu tragen, aber die Vorliebe für den weichen Stoff ist geblieben. Vor einigen Jahren ließ ich einen Saarinen-Sessel aus den Fünfzigern in hellbeigem Samt beziehen, er gehört zu den Lieblingsstücken in meiner Wohnung.

Einige Zeit bin ich dann auch um die Cotton Chenille von Rowan herumgeschlichen. Die Farbkarte hatte ich zu Hause, aber da bei Wolle&Design 100 Gramm immer noch gute 13 Euro kosten, hatte ich auf ein Angebot bei eBay gewartet. Kurz vor meinem Urlaub hatte ich Glück und konnte einige Knäuel in Grün und Grau und das Chenille-Magazin ersteigern. Meine ursprüngliche Idee war, zwei große Schals zu stricken, schön lang und in einem simplen Rippmuster. Allerdings schied die Farbe Wraith gleich aus, das Grau war deutlich zu blaustichig, um zu irgendeinem Stück meiner Wintergarderobe zu passen. Und das Grün, hmm, vielleicht eine Nuance zu klar, aber ich wollte es versuchen. Ich hatte gelesen, dass das Stricken mit Chenille schwierig sein kann, und so war es auch. Ich konnte keine auch nur annähernd gleichmäßigen Maschen stricken, beim Übergang zwischen linken und rechten hat sich immer alles komplett verzogen. Ich habe verschiedene Muster ausprobiert, und das Einzige, was halbwegs okay aussah, waren glatt rechte Maschen.

reef01

Halbwegs okay ist für mich zuwenig, ich weiß, dass ich auch weder einen Pullover noch eine Jacke aus Chenille anziehen würde. Da es mir aber um das Garn leid tut, habe ich nach einem anderen Opfer gesucht und bin bei Leo gelandet :-) Im Magazin sind einige Kinderpullover, von denen mir ein ganz schlichter mit überschnittenen Schultern und Rollbündchen ganz gut gefällt. Er heißt Reef, das Design ist von Kim Hargreaves, und ich denke, dass das ein schöner Kuschelpullover für den Herbst werden könnte. Gestern abend habe ich das Rückenteil angeschlagen, und es geht zwar nicht rasend schnell, aber doch recht gut voran. Die Optik des Chenille erinnert fast ein wenig an Tweed, was ich nun doch ganz hübsch finde.

Donnerstag, 31. August 2006

Nesselprobe.

Vor einigen Jahren habe ich mir hin und wieder etwas vom Berliner Designer-Duo Chiton nähen lassen. Unter diesem Label gibt es eine kleine Kollektion mit klassischen Modellen, sehr schlicht und schön. Man kann die einzelnen Teile im Laden ansehen, und möchte man etwas haben, wählt man einen Stoff aus, bespricht die Details, und dann wird alles maßgeschneidert. Die Fülle an Stoffmustern erinnert ein wenig an die Auswahl in einem Wollgeschäft - so viele Qualitäten und Farben, und am liebsten möchte man von allem Schönen irgendetwas haben. Manchmal hatte ich auch einen eigenen Wunsch, der dann umgesetzt wurde. Dazu gab es dann noch kein Schnittmuster, und damit der teure Stoff nicht verschnitten wird, wurde vorher eine Nesselprobe gemacht, das heißt, das Kleid oder was immer es war, wurde aus ganz billigem Nesselstoff vorgefertigt, um dann als Vorlage zu dienen.

jenny_blau_01

Das hier ist meine Nesselprobe für Jenny. Vielleicht erinnert ihr euch - eine Weile ist es ja schon her, dass ich den Cardigan eigentlich in der Farbe Gooseberry begonnen hatte. Das Rückenteil war gerade fertig, als mir beim Aufräumen ein Schuhkarton in die Hände fiel, in dem ich zehn Knäuel Handknit Cotton in Graublau aufbewahrt hatte. Das Garn hatte ich vor längerer Zeit für ein Paar Pfund bei eBay ersteigert, und ursprünglich sollte ein Pullover für Leo daraus werden. Die Farbe passte aber so wunderbar zu einem meiner neuen Sommerkleider, dass ich beschloss, ein Jäckchen für mich daraus zu stricken. Und da ich auf die Schnelle keine andere Anleitung fand, habe ich noch einmal Jenny angeschlagen, und dann nur noch an dieser Version weitergearbeitet, aus zwei Gründen: zum einen wollte ich den Cardigan unbedingt mit in den Urlaub nehmen, und zum anderen hielt ich es für eine gute Idee, erstmal ein Stück fertigzustellen, um dann beim zweiten gegebenenfalls noch Änderungen durchführen zu können.

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Rechtzeitig fertig wurde ich, aber Jenny musste zu Hause bleiben, obwohl sie sehr hübsch geworden ist. Mir hatte es schon gefallen, sie zu stricken, und selbst das Zusammennähen machte Spaß, weil alles so perfekt passte. Nur passt die fertige Jacke mir leider nicht, was, traurig genug, meine eigene Schuld ist. Hätte ich mich weniger vom Model im Heft leiten lassen, hätte ich die Maße in der Anleitung genauer mit meinen eigenen verglichen, und hätte ich es besser bei Sabine abgeschaut, wäre Jenny nicht so viel zu kurz. Meine Kleiderpuppe gibt es nicht ganz so wieder, aber an mir bedeckt die Jacke noch nicht einmal die Taille, und dass, obwohl sie schon einige Zentimeter länger ist als vorgesehen. Und dann ist sie auch recht eng. Mir fiel, natürlich auch erst hinterher, auf, dass die Pullover-Version die gleichen Maße hat, woraus ich schließe, dass der Cardigan nicht unbedingt als solcher verwendet werden sollte, sondern eher geschlossen getragen als Pullover.

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Dafür spricht auch der sehr weite Ausschnitt. Alles, was ich dazu anziehen wollte, schaute seitlich irgendwie seltsam hervor und zerstörte die schöne Linie, die der Ausschnitt eigentlich bildet. Mit einem eng angliegenden Spaghettiträger-Top darunter ginge es vielleicht, aber ansonsten bin ich von der Vorstellung des kleinen Jäckchens, das man schnell überwirft, wenn es kühler wird, nicht mehr überzeugt. Die grüne Gooseberry-Variante will ich dennoch stricken. Ich werde das Rückenteil bis zu den Armausschnitten wieder auftrennen und dann so verlängern, dass es knapp hüftlang wird.

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Zum Schluss noch ein Bild für all diejenigen, die immer meine sauberen Nähte loben :-) Normalerweise fotografiere ich eher die Dinge, die gut gelungen sind, hier kommt die Ausnahme: beim Zusammennähen der Maschen im gerippten Bund habe ich eine Anleitung von Debbie Bliss aus einem ihrer How to Knit-Bücher befolgt, wobei man im Matratzenstich aus zwei rechten Randmaschen eine mittlere formt. Gezeichnet sah das Prinzip sehr einleuchtend aus, die Umsetzung war bei mir holprig, da schon die zusammenzunähenden Maschen recht ungleichmäßig waren. Da werde ich mir für die zweite Jenny auch etwas anderes einfallen lassen.

Mittwoch, 30. August 2006

Abschied vom Sommer.

weststrand

Nahezu zeitgleich mit unserer Abreise vom Darß kamen die dunkleren Wolken und kühleren Temperaturen, als wollten sie uns sagen, dass es Zeit ist, wieder heimzukehren, und als wollten sie uns den Abschied vom Urlaub etwas erleichtern. Aber ist das Meer nicht zu jeder Jahreszeit wunderbar? Gerade im Herbst, wenn der Wind rauer weht und die Wellen ans Land peitscht, würde ich gern noch am Strand sitzen und in die Ferne schauen.

Seit Samstag bin ich nun zurück, aber ich mag mich nicht an die Stadt gewöhnen. Mein Sehnen gilt immer noch den Wäldern und dem Meer und dem Leuchtturm, den sonnigen Tagen am Strand, der Einsamkeit und Stille und der Leichtigkeit der freien Tage. Ich könnte die Tage noch immer mit Spaziergängen am Wasser und Radtouren durch die Boddenlandschaft verbringen, und mich abends bei einer Tasse heißen Tees aufs Sofa kuscheln und mir eine warme Jacke stricken, während draußen der Regen gegen die Fenster peitscht.

wellen

Allein, die Pflicht ruft uns zurück, und während ich hier im kalten Büro friere, versuche ich mich noch ein wenig an den Erinnerungen an zwei wunderschöne Urlaubswochen zu wärmen. Ich bin selten so entspannt heimgekehrt und noch nie so traurig abgefahren. Meinem Freund ging es ganz ähnlich, so dass der nächste Urlaub in Prerow bereits geplant ist, und wenn die Segelsaison beendet und der Berlin-Marathon gelaufen ist, werden wir vielleicht noch einmal für ein Wochenende zu zweit an die See fahren.

Oben seht ihr Leo und mich bei der bevorzugten Beschäftigung des jungen Mannes - dem Wellenhüpfen. Ich musste ihn an beiden Händen hochhalten, da die Wellen so kraftvoll waren, dass sie ihn sonst wild umhergewirbelt hätten, und ich selbst musste auch immer wieder um einen halbwegs sicheren Stand kämpfen. Trotzdem genau der richtige Spaß für Wasserratten wie uns.

Mittwoch, 9. August 2006

Ich war ein Teppich.

strandtasche_01

Zusammen mit unzähligen meiner Geschwister lag ich in einer großen Kiste bei IKEA. Über uns prangte ein Schild, "Garnteppich, 60 x 90 cm" stand darauf. Ein weiteres, leuchtend gelbes Schild verkündete unseren Preis: 1,89 Euro. Die Leute gingen meist achtlos an uns vorüber, hin und wieder kam jemand näher, nahm einen von uns in die Hand, schaute uns abschätzend an und legte uns zurück, den Blick und die Gedanken schon bei den anderen Teppichen, Kissen und Decken. Doch dann, an einem Montag Nachmittag, kam sie in unsere Halle. Sie musste uns schon von weitem erspäht haben, denn ihre Augen glitzerten, als sie ihren Einkaufswagen in unsere Richtung schob. Sie blieb direkt vor uns stehen und flüsterte: "Ihr seid aber schön! Perfekt für den Strand!" Dann muss ihr aufgefallen sein, wie klein wir sind, denn sie schaute ein wenig enttäuscht. Sie schien zu überlegen. Ihr kleiner Begleiter wollte sie schon weiterzerren, da griff sie kurzentschlossen zu, packte mich, und legte mich in ihren Wagen. Was für ein glücklicher Tag! Bald würde ich ihr in ihrem Reich zu Füßen liegen.

Doch bevor sie mich heimbrachte, ging sie noch in den Baumarkt. Karabiner, Ringe, Ösen und Gurtband brachte sie mit, dazu extra reißfestes Garn und eine Handwerkernadel. Was hatte sie vor? Aber zum Nachdenken kam ich nicht. Sie legte mich, zu Hause angekommen, auf feines, kühles Eichenparkett, strich mich glatt, und ich schlief sofort ein. Am nächsten Morgen erklärte sie mir und ihrem kleinen Gehilfen, was sie mit mir vorhatte: eine Strandtasche sollte aus mir werden. Was für eine Aufregung! Würde das gutgehen? Sie bohrte mit einer kleinen Schere Löcher in meine Kanten und schlug mit dem Hammer vier Ösen ein. Ich kann euch sagen, das hat mir nicht gefallen. Dem kleinen Jungen dafür umso mehr. Auch er schlug einige Male auf mich ein. Danach nähte sie meine Seiten zusammen, das piekste ziemlich unangenehm. Leider hat sie beim Nähen entdeckt, dass meine Streifen etwas unregelmäßig sind. Wäre ich kein Teppich, wäre ich wohl rot angelaufen, aber sie meinte nur, dass das eben meinen einzigartigen Charakter unterstreichen würde. Ist sie nicht ein Schatz? Und dann konnte ich mich entspannen, denn nun waren die Gurtbänder an der Reihe. Sie wurden zurechtgeschnitten und an jedem Ende mit einem Ring versehen. Sagt es nicht weiter, aber meine Fee hat dabei ziemlich böse geflucht, weil ihre zarten Hände die Nadel kaum durch die dicken Bänder bringen konnte. Aber dann war es geschafft: sie hängte die Karabiner in die Ösen und die Ringe in die Karabiner, und simsaladim war ich eine Strandtasche. Eine männliche Stimme in ihrer Wohnung hörte ich etwas von Jute, Peruanern und Öko-Look erzählen, aber mir ist das egal - ich finde mich sehr cool. Schade, dass mich die anderen Teppiche bei IKEA nicht sehen können!

strandtasche_02

Heute morgen hat mich meine Besitzerin zur Probe gepackt: ihr riesiges, 2,20 x 2,50 m großes Strandlaken, zwei Handtücher, Badeanzug und Badehose, Taucherbrille und Schnorchel, Sonnencreme, Schaufel und Sandförmchen, ein Fußball und ein Buch - das alles passt in mich hinein. Sie war sehr zufrieden mit mir und hat mir versprochen, mich mit in den Urlaub zu nehmen. Schon in zwei Tagen fahren wir gemeinsam an die Ostsee, nur sie und ich (und ihre beiden männlichen Begleiter, deren Sachen ich auch trage muss.) Ich freu mich schon so. Strand und Sonne und Meer, welcher Teppich bringt es schon so weit?

Freitag, 4. August 2006

Weitere Versuchungen.

charlotte-heather

Das praktisch synchrone Erscheinen aller neuen Garne und Anleitungen hat, so fürchte ich, nur ein Ziel: die Strickerin mit der Flut an Eindrücken in Verwirrung und Euphorie zu stürzen, so dass auch die festesten Vorsätze, keine Wolle mehr zu kaufen, und die mühsam erkämpfte Einsicht, eigentlich genug von allem zu besitzen, dahinschmelzen wie Eis in der Sonne. Ich jedenfalls bin ein leichtes Opfer. Und notiere zwei neue Modelle auf meiner Wunschliste: Charlotte und Heather, meine Favoriten aus der neuen Kollektion von Kim Hargreaves.

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